Praxis-Schwerpunkte

ADHS

Aufmerksamkeits-Defizitis-Hyperaktivitäts-Störung

POSITIONSPAPIER ZUR ERGOTHERAPIE BEI ADHS/ UEMF

Ergotherapie ist ein wesentlicher Bestandteil in der Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (F 90. ADHS) und der damit verbundenen Einschränkungen bei derTeilhabe und bei bedeutsamen Alltagsaktivitäten (Betätigungen). Ergotherapie ist ein klientenzentriertes, betätigungsorientiertes, multimodales Heilmittel. Sie ist fest in der Grundversorgung der ADHS und ihrer komorbiden Störungen, insbesondere der umschriebenen Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen (F 82. UEMF), etabliert.

Prävalenz und Komorbidität von ADHS und UEMF

Die ADHS ist die häufigste kinder- und jugendpsychiatrische Störung mit einer Prävalenz von 4,8 % (etwa 600.000 Kinder und Jugendliche). Nach Elternurteil weisen 17,9 % der 7-10-jährigen Kinder Hyperaktivitätsprobleme auf (KIGGS, 2006; Schlack et al., 2014). Die Prävalenz der UEMF liegt bei ca. 5-6 % aller Kinder (AWMF, 2011). Beide Störungsbilder treten im Kindes- und Jugendalter mit jeweils ca. 5 % häufig auf. In ca.50% der Fälle treten ADHS und UEMF gemeinsam auf und weisen somit eine hohe Komorbidität auf (ebd.).

ADHS und UEMF führen zu erheblichen Aktivitäts- und Teilhabeeinschränkungen

ADHS und UEMF haben weitreichende Folgen: Sie können zu erheblichen Beeinträchtigungen der Alltagsbewältigung und der sozialen, schulischen und beruflichen Funktionsfähigkeit führen. Eine Beeinträchtigung dieser Funktionsfähigkeiten kann emotionale Probleme verursachen, Probleme mit Gleichaltrigen herbeiführen und dieTeilhabe und Lebensqualität der Betroffenen bis ins Erwachsenenalter negativ beeinflussen.Ein unbehandeltes ADHS kann die Entstehung weiterer Erkrankungen und Teilhabeprobleme begünstigen (Döpfner et al., 2013). Eine unbehandelte UEMF kann zu Adipositas, herabgesetzter Fitness, Rückzug undTeilhabeeinbußen, erschwerten Eltern-Kind-Beziehungen, emotionalen, depressiven, somatoformen sowie Angststörungen führen (Blank, 2012). Rasmussen et al. (2000) fanden heraus, dass Menschen mit ADHS und UEMF ein weitaus schlechteres Outcome aufweisen als Menschen mit ADHS aber ohne UEMF: In der ADHS/ UEMF-Gruppe fanden sich weit häufiger (58 % vs. 13 % in der ADHS-Gruppe ohne UEMF) antisoziale Persönlichkeitsstörungen, Alkoholmissbrauch, Delinquenz, Lesestörungen und ein geringes Bildungsniveau. Kinder mit ADHS (und UEMF) weisen z. B. eine signifikant erhöhte Unfallrate und Unfallschwere auf (gegenüber der Vergleichsgruppe ohne UEMF 3,8-fach erhöht). Grützmacher (1998) berechnet in diesem Zusammenhang, dass das Risiko für Verkehrsunfälle für Kinder unter 15 Jahren mit der Diagnose ADHS um das Neunfache erhöht ist. Es besteht bei Experten und auch in der Gesellschaft ein hoher Konsens, dass Kinder/Jugendliche mit der Diagnose ADHS und deren Bezugspersonen angemessene Hilfen und Unterstützung erhalten sollten, um die negativen Folgen dieser Erkrankung möglichst gering zu halten und ein Maximum an Teilhabe zu erreichen.

Ergotherapie hat zum Ziel, die Aktivitäts- und Teilhabemöglichkeiten von Menschen
mit Beeinträchtigungen zu verbessern

„Die Ergotherapie – abgeleitet vom griechischen „ergein“ (handeln, tätig sein) – geht davonaus, dass „Tätig sein“ ein menschliches Grundbedürfnis ist und dass gezielt eingesetzte Tätigkeit gesundheitsfördernde und therapeutische Wirkung hat. Deshalb unterstützt und begleitet Ergotherapie Menschen jeden Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind und/ oder ihre Handlungsfähigkeit erweitern möchten. Ziel der Ergotherapie ist es, Menschen bei der Durchführung von für sie bedeutungsvollen Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit/ Erholung in ihrer Umwelt zu stärken. In der Ergotherapie werden spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung gezielt und ressourcenorientiert eingesetzt. Dies erlaubt dem Klienten, seine Handlungsfähigkeit im Alltag, seine gesellschaftliche Teilhabe (Partizipation) und seine Lebensqualität und -zufriedenheit zu verbessern.“ (DACHS, 2007) Ergotherapie ist eine notwendige Intervention und ein verordnungsfähiges Heilmittel bei Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Eine Indikation für ergotherapeutische Maßnahmen besteht, sobald eine Beeinträchtigung in den Aktivitäten des täglichen Lebens(ATL) vorliegt oder aufgrund der Symptomatik droht (G-BA, 2011).


Ergotherapie als kostengünstige und niedrigschwellige Intervention

Das Heilmittel Ergotherapie wird häufig bei ADHS und UEMF verordnet, ist in Deutschland ohne lange Wartezeiten flächendeckend verfügbar und ist kostengünstiger als psychotherapeutische Verfahren. Dies belegen Schröder et al. (2014) und zeigen auf, dass 30,1 % der 3-5-jährigen, 33,9 % der 6-10-jährigen und 9,4 % der 11-17-jährigen Kinder/Jugendlichen mit ADHS, die bei der AOK versichert waren, im Jahr 2012 Ergotherapie erhielten. In der GEK-Studie „ADHS bei Kindern und Jugendlichen“ erhielten 56,2 % der GEKversicherten Kinder im Alter von 6-16 Jahren, mit mindestens einer für die Erkrankung typischen Arzneimittelverordnung, Ergotherapie. Ergotherapie stellt damit das zweithäufigste Behandlungsverfahren bei dieser Gruppe dar. (Gebhardt et al., 2008) Aufgrund der Evidenzlage werden ergotherapeutische Interventionen bei UEMF in der“Deutsch-Schweizerischen Versorgungsleitlinie“ stark empfohlen (AWMF, 2011). Besonders hervorgehoben werden dabei aufgabenorientierte Behandlungsansätze (wie z. B. CognitiveOrientation to daily Occupational Performance/ CO-OP) zur Verbesserung motorischer Fähigkeiten und Fertigkeiten. Starke Evidenz fand die Leitliniengruppe zudem für unspezifische ergotherapeutische Interventionen, die bei Kindern mit UEMF immer noch besser sind als keine Intervention.

Evidenz der Ergotherapie bei ADHS und UEMF


In den vergangenen Jahren haben sich national und international neue Erkenntnisse ergeben. Diese zeigen, dass unterschiedliche ergotherapeutische Maßnahmen nicht nur dieTeilhabe in Schule und Alltag oder die Belastung von Eltern und Lehrern, sondern auch die Kernsymptomatik von ADHS positiv beeinflussen können. Darüber hinaus gibt es evtl. auch einen Zusammenhang zwischen Ergotherapie und einem geringeren Bedarf an Psychostimulanzien: In ihrem Sondergutachten zur Versorgungssituation von Kindern und Jugendlichen mit ADHS stellt die GEK fest, dass Versicherte, die neben einer Stimulanzienverordnung Ergotherapie bekommen, in allen Altersgruppen eine durchschnittlich deutlich geringere Tagesdosis benötigen als solche, die zwar Medikamente, aber keine Ergotherapie erhalten. Es sei „[…] schwierig zu sagen, ob sich der Stimulanzienverbrauch durch die begleitende Ergotherapie reduziert, oder ob es daran liegt, dass sich die Krankheitsbilder der Versicherten unterscheiden. Das Ergebnis könnte aber ein Hinweis darauf sein, dass durch eine begleitende Therapie die erforderliche Stimulanziendosis geringer wird“ (Gebhardt et al., 2008, S. 140).Arasin (2009, 2011) belegt die Wirksamkeit des ergotherapeutischen Trainingsprogramms(ETP) bei ADHS (Winter et al., 2007) und zeigt auf, dass sich die hyperkinetische Symptomatik reduziert und die Kernsymptomatik der ADHS signifikant verbessert. So wird das ETP-ADHS auch im Leitlinien-basierten „Protokoll zur Diagnostik und Therapie von ADHS bei Kindern und Jugendlichen“ aufgeführt (Döpfner, 2012). Darüber hinaus wurden in den vergangenen Jahren weitere Programme veröffentlicht und in Pilotstudien – zunächst ohne Kontrollgruppe – mit positiven Ergebnissen getestet (Chu &Reynolds, 2007a, 2007b; Cordier et al., 2009; Wilkes et al., 2011; Hahn-Markowitz et al.,2011). Soziale Fertigkeiten von Kindern mit ADHS werden mit spielbasierten Interventionenwirksam gefördert (Wilkes-Gillan et al., 2014; Wilkes et al., 2011). In einem systematischen Review von Smits-Engelsman et al. (2013) wurde ermittelt, dass Ergotherapie die motorischen Fertigkeiten von Kindern mit einer UEMF durch aufgabenorientierte Interventionsmethoden effektiv verbessert. Darüber hinaus hat Ergotherapie auch einen positiven Effekt auf das Selbstwertgefühl der Kinder (McWilliams,2005). Armstrong, (2012), Miller et al. (2001) und Polatajko et al. (2001) fanden heraus, dass spezifisch ergotherapeutische Verfahren, wie z. B. CO-OP, die motorischen Funktionen nachweislich verbessern, weshalb diese Verfahren auch in der S3-Leitlinie zur UEMFempfohlen werden (AWMF, 2011).

Vorgehen der Ergotherapie bei ADHS und UEMF

„Ergotherapie (ET) bietet Kindern und Erwachsenen Methoden zur Verbesserung der Leistung im Bereich der Alltagsaktivitäten und Verbesserungen der Teilhabe in Situationen,die den Betroffenen bedeutsam und wichtig sind. Ergotherapeuten analysieren die individuelle Kompetenz und Ausführung; sie entwickeln Interventions- und Therapiemethoden für Probleme rund um die Ausführung und die Teilhabe zusammen mit den Betroffenen, im vorliegenden Falle mit Kindern und deren Familien. Sie benutzen verschiedene Ansätze je nach Kind und Familie sowie deren Ziele und Lebenssituation. Zur Anwendung kommen z. B. prozessorientierte Ansätze, wie die Sensorische Integrationstherapie (SI), strategische aufgabenorientierte Ansätze wie Cognitive-Orientationto Occupational Performance (CO-OP), Adaptationen an die Umwelt und in einigen Ländern auch Formen der Gruppentherapie. Sie wenden hierbei auch standardisierte Untersuchungsmethoden an, um vielfältige Fähigkeiten und Fertigkeiten im Bereich der Körperfunktionen sowie die Bedürfnisse der Kinder zu evaluieren. In der Ergotherapie wird auch ein Schwerpunkt auf die Analyse und Anpassung der materiellen Umwelt sowie auf die Beratung und Anleitung der sozialen Umgebung des Kindes gelegt. In Ergänzung zur verbesserten funktionalen Fähigkeit und Teilhabe sind die Lebensqualität und die Lebenszufriedenheit wichtige Ziele der Ergotherapie.“ (AWMF, 2011)


Ergotherapie ist multimodal

Ergotherapie ist ein klientenzentriertes, betätigungsorientiertes, multimodales Heilmittel. Es besteht aus kindzentrierten (Behandlungskonzepte und Trainings), umfeldzentrierten(Beratung, Coaching, Schulung von Eltern, Erziehern/ Lehrern) und umweltzentrierten Interventionen (Optimierung der räumlichen Umwelt, Hilfsmittelanpassung).

Der ergotherapeutische Prozess

Dieser wird durch entsprechende international anerkannte Prozessmodelle beschrieben (z.B. Canadian Practice Prozess Framework/ CPPF): Im Rahmen einer modernen betätigungs und klientenzentrierten Ergotherapie wird zu Beginn der Therapie eine Abklärung der Rahmenbedingungen und daraus folgernd eine differenzierte Erhebung der Einschränkungen bei Aktivitäten und Teilhabe in den verschiedenen Lebensbereichen mit entsprechenden Assessment-Instrumenten durchgeführt (z. B. dem Canadian OccupationalPerformance Measure/ COPM). Bei Bedarf werden mit spezifischen Test- und Screeningverfahren mögliche Schädigungen im Bereich der Körperfunktionen ermittelt (z. B.Aufmerksamkeitstests, M-ABC-2). Anschließend werden gemeinsam mit den Klienten (Kindund Eltern) konkrete, alltagsnahe und überprüfbare Betätigungs- und Teilhabeziele formuliert. Die Zielerreichung wird mit entsprechenden Skalierungsinstrumenten (z. B. GoalAttainment Scale/ GAS oder Performance Quality Rating Scale/ PQRS) erfasst. Individuelle und alltagsrelevante Handlungsziele sind dabei häufig:
Im Bereich Selbstversorgung:

  • in angemessener Zeit aufstehen
  • sich zügig und selbstständig waschen und Zähne putzen
  • morgens zügig anziehen
  • Verschlüsse schließen, Schleife binden
  • Toilettengänge alleine bewältigen
  • sich eine kleine Mahlzeit zubereiten
  • Wege sicher und zügig alleine bewältigen
  • selbstständig das Zimmer aufräumen
  • sich abends in angemessener Zeit bettfertig machen
  • in angemessener Zeit zu Bett gehen

Im Bereich Produktivität:

  • im Stuhlkreis mitmachen
  • sich im Unterricht aktiv beteiligen
  • Gesprächsregeln einhalten
  • bei seinen Aufgaben bleiben
  • Aufgaben sorgfältig und in angemessener Zeit bewältigen
  • altersentsprechend malen und basteln
  • lesbar und im entsprechenden Tempo schreiben
  • in der Pause mit anderen Schülern spielen
  • die Aufgaben im Sportunterricht angemessen bewältigen
  • Hausaufgaben in angemessener Zeit bewältigen
  • den Schulranzen so packen, dass alles drin ist
  • Ordnung bei den Schulmaterialen halten

Im Bereich Freizeit und soziales Leben:

  • sich für eine angemessene Zeit allein beschäftigen können
  • altersentsprechende Spiele spielen
  • Freunde finden
  • angemessen und kooperativ mit anderen Kindern spielen
  • aktive Freizeitbeschäftigungen entwickeln
  • sich in Freizeit- und Sportgruppen integrieren
  • zur Ruhe kommen
  • Besuche, Ausflüge und Reisen bewältigen
  • Konflikte angemessen lösen

Zum Erreichen der Handlungsziele notwendige Körperfunktionen/-strukturen, z. B.:

  • Selbstvertrauen/ Selbstwertgefühl
  • Aufmerksamkeit
  • Gedächtnis
  • exekutive Funktionen
  • soziale Fertigkeiten
  • Optimismus
  • Kritikfähigkeit
  • Kompromissfähigkeit
  • Wahrnehmung und Verarbeitung (Integration) sensorischer Reize

Mithilfe differenzierter Betätigungs- und Umweltanalysen werden die förderlichen und hemmenden Faktoren bei den jeweils anstehenden Aktivitäten und Aufgaben ermittelt. Spezifische (und wann immer möglich, in ihrer Wirksamkeit belegte) Interventionen, die Beratung und Schulung des Umfeldes und die Optimierung der räumlichen Umwelt bilden die Säulen einer multimodalen Ergotherapie (Winter, 2014). Eine fortlaufende Kontrolle der Therapieeffekte im Alltag der Kinder/ Jugendlichen wird im Rahmen der evidenzbasierten Praxis durch den Einsatz entsprechender Assessment-Instrumente gewährleistet. Dabei sollte, wie in der S3-Leitlinie zur UEMF empfohlen, die Evaluierung der Alltagsaktivitäten und Teilhabe im Mittelpunkt stehen (AWMF, 2011).

Aufgabenorientierte ergotherapeutische Behandlungskonzepte

Aufgabenorientierte ergotherapeutische Ansätze (wie z. B. CO-OP, ErgotherapeutischesTrainingsprogramm bei ADHS/ ETP-ADHS, Wunstorfer Basistraining, aufgabenorientiertesAlltagstraining, aufgabenorientiertes Schreibtraining) sorgen dafür, dass Therapieeffekte unmittelbar in den Alltag übertragen werden. Dadurch verkürzt sich die Behandlungsdauer. Diese Ansätze helfen Kindern mit diversen Erkrankungen und Beeinträchtigungen, konkrete Fertigkeiten (wie z. B. Schleife binden, sich morgens zügig anziehen, leserlich schreiben etc.) zu erlernen. Dazu werden von Kind und Eltern gemeinsam zunächst 3-4 konkrete Ziele zur Verbesserung bedeutungsvoller Aktivitäten (Betätigungen) formuliert. Nach der Zielvereinbarung lernt das Kind globale Problemlösungsstrategien. Anschließend erhebt die Ergotherapeutin den Anfangsstatus (Baseline) bei der Durchführung (Performanz) der Zielbetätigungen und analysiert, an welchen Punkten die Ausführung scheitert (Break-Down-Point). Im weiteren Therapieprozess ermittelt das Kind, unterstützt durch die Ergotherapeutin, passende eigene und aufgabenspezifische Strategien, die ihm helfen die angestrebte Fertigkeit erfolgreich auszuführen. Mittels Hausaufgaben und Strategiebüchern werden die erarbeiteten Strategien kontinuierlich in den Alltag des Kindes übertragen. Die Bezugspersonen (Eltern, Erzieher, Lehrer) werden eng in den therapeutischen Prozess einbezogen und entsprechend beraten, um das Kind aktiv und wirksam beim Erreichen seiner Ziele unterstützen zu können. Durch die aufgabenorientierte Ergotherapie wird das Kind zum aktiven Problemlöser. Es entwickelt mithilfe verschiedener Strategien eigene Ideen, wie es im Alltag Fertigkeiten erlernen und anstehende Aufgaben und Probleme eigenständig bewältigen kann. Dadurch erhöht sich die Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit des Kindes mit zukünftig auftretenden Schwierigkeiten und Problemen umzugehen.

Prozessorientierte und funktionale ergotherapeutische Behandlungsansätze

Bei diesen Ansätzen wird im Rahmen einer differenzierten Befunderhebung zunächst eine Analyse der Körperfunktionen und -strukturen (z. B. der Aufmerksamkeits- oder Wahrnehmungsleistungen) durchgeführt. Dann werden diejenigen Funktionen, die das Kind daran hindern, in seinem Alltag erfolgreich aktiv zu sein und teilzuhaben, angebahnt und mit Hilfe spezifischer Trainings- und Behandlungskonzepte verbessert. Zum Einsatz kommen dabei z. B. diverse evidenzbasierte Aufmerksamkeitstrainings, Sozialkompetenztrainings, Elemente der Sensorischen Integrationstherapie (SI) und Neurofeedback (Winter, 2012a;2012b; 2014).

Umfeldberatung

Die Beratung, Anleitung und Schulung von Eltern, Erziehern/ Lehrern ist unerlässlicher Bestandteil ergotherapeutischer Interventionen und dient der Sicherstellung der Behandlungsergebnisse. Sie vermittelt den erwachsenen Bezugspersonen, wie sie das Kind beim Erreichen der Therapieziele, bei der Alltagsbewältigung und Teilhabe wirksam unterstützen können. Ergotherapeuten nutzen dabei passende Elemente evidenzbasierter Beratungskonzepte (z. B. Triple P, Therapieprogramm bei hyperkinetischen und oppositionellen Problemverhalten/ THOP, Ergotherapeutisches Elterntraining/ ETET,Occupational Performance Coaching/ OPC).

Beratung vor Ort und Unterstützung im Rahmen von Inklusion

Um das Kind/ den Jugendlichen und seine Bezugspersonen vor Ort in ihrer Lebenswelt (zu Hause, Kindergarten etc.) bei der Alltagsbewältigung und Teilhabe zu unterstützen, führen Ergotherapeuten „Beratung zur Integration in das häusliche und soziale Umfeld“ durch. Ergotherapeuten unterstützen im Rahmen der Inklusion Kinder mit ADHS und UEMF, am Kindergarten- und Schulalltag teilzuhaben. Sie beraten das Umfeld bezüglich hilfreicher Strategien im Umgang mit den Kindern, sie adaptieren Anforderungen und Aufgaben für die Kinder und optimieren deren räumliche Umwelt, damit sie sich erfolgreich betätigen und teilhaben können.

Optimierung der räumlichen Umwelt

Ergotherapeuten sind Experten für die Optimierung und Anpassung der räumlichen Umwelt. Sie beraten zum Thema Ergonomie, passen Ort und Gestaltung des Arbeitsplatzes an die besonderen Bedürfnisse des Kindes an, beraten bezüglich Barrierefreiheit, zum Thema Bewegungsraum, adaptieren Werkzeuge und Hilfsmittel, erstellen Bildkarten, Icons, Mnemomics und andere Hilfsmittel, die es dem Kind ermöglichen aktiv zu werden, sich zu entwickeln und teilzuhaben.

Ergotherapie bei ADHS und UEMF

Ergotherapie behandelt erfolgreich ADHS und UEMF dadurch, dass sie alltagsbezogene Handlungen und Aktivitäten verbessert, die wiederum die soziale, schulische und spätere berufliche Funktionsfähigkeit und Teilhabe fördert, indem sie:

  • Alltagsbewältigung und Handlungskompetenz trainiert,
  • die Selbständigkeit verbessert,
  • Problemlösefähigkeiten fördert,
  • die zentralnervöse Aktvierungsbereitschaft verbessert,
  • die eigenaktive Selbstregulation des Kindes/ Jugendlichen verbessert,
  • kognitive Funktionen (wie Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen) trainiert,
  • motorische Unruhe reduziert,
  • die Produktivität, wie z. B. Arbeitstempo und -sorgfalt, verbessert,
  • die Körperkoordination verbessert,
  • die Selbstwirksamkeit des Kindes steigert und
  • seine Kompetenzen erweitert.

Fazit

Der DVE unterstützt die Implementierung der Leitlinienempfehlungen zu ergotherapeutischen Maßnahmen bei Kindern mit UEMF und setzt sich darüber hinaus auch für die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Wirksamkeit des aufgabenorientierten Ansatzes bei Kindern mit ADHS ein. Ergotherapie ist aufgrund ihrer biopsychosozialen Ausrichtung indiziert, wenn Alltagsleistungen möglichst gezielt verbessert werden sollen. Sie ist Teil einer multimodalen und interprofessionellen Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Auffälligkeiten.


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Artikel Quelle: www.dve.info/fileadmin/upload/pdf/_news/141208_DVE-Positionspapier_ADHS-UEMF_Langfassung.pdf

Ambulante Ergotherapie

Eine ergotherapeutische Behandlung im ambulanten Bereich wird als Heilmittel vom Arzt verordnet und von den Krankenkassen bezahlt.
Die Therapie findet bei Ihnen zu Hause, in Kliniken sowie auch in anderen Einrichtungen statt.

Ergotherapie am Arbeitsplatz
1. Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz

siehe Unsere Leistungen > Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz

2. Ergotherapie zur Teilhabe am Arbeitsleben

Die Teilhabe am Arbeitsleben ist für Gesundheit und Wohlbefinden so wichtig, dass sie im Sozialgesetzbuch IX gesondert geregelt ist. Ergotherapeuten sind speziell dafür ausgebildet, durch vielfältige Leistungen die Teilhabe von Menschen am Arbeitsleben zu unterstützen. Dabei kommen arbeitstherapeutische und arbeitsrehabilitative Verfahren in unterschiedlichen Versorgungsbereichen wie der Kranken-, Renten- und Unfallversicherung oder Arbeitsförderung zum Einsatz.

Ergotherapeutische Verfahren sind grundsätzlich Klienten zentriert. Das bedeutet, unsere Klienten werden in der Regel am gesamten Behandlungsprozess mit dem Ziel der größtmöglichen Selbstständigkeit und Lebensqualität aktiv beteiligt. Daher können die folgenden Erläuterungen auch nur beispielhaft sein.

Gesundheitsprobleme und Beeinträchtigungen

  • Ergotherapeutische Leistungen als Hilfe und Unterstützung zur Teilhabe am Arbeitsleben sind sinnvoll für Menschen, die aktuell oder schon länger in ihrer Teilhabe am Arbeitsleben beeinträchtigt sind oder ihren Weg in das Arbeitsleben noch nicht gefunden haben. Dies können Menschen mit psychischen oder körperlichen Erkrankungen und Behinderungen sein. Ebenso Patienten mit neurologischen Erkrankungen, in der Suchtrehabilitation oder auch handchirurgischen und orthopädischen Diagnosen.
  • Profitieren können auch viele junge und ältere Menschen mit erworbenen oder bestehenden Behinderungen, z. B. Menschen mit Lern- oder geistiger Behinderung auf ihrem Weg in das Arbeitsleben oder langzeitarbeitslose Menschen mit vielfältigen Vermittlungshemmnissen.
  • Ebenso erfahren Menschen mit und ohne eingetretene Beeinträchtigung durch Angebote der Ergotherapie Unterstützung im Bereich der Prävention z. B. der Arbeitsplatzanpassung im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung.
  • Die an der Arbeitswelt orientierte differenzierte Diagnostik führt zur gemeinsamen Erarbeitung einer realistischen beruflichen Perspektive.

Ziele und Aufgaben

  • Ermittlung, Training und Stabilisierung der Arbeits- bzw. Handlungsfähigkeit(en)
  • Analyse und Gestaltung der Arbeitsbedingungen (z. B. am bisherigen Arbeitsplatz)
  • Erarbeitung von Strategien, wie die berufliche Eingliederung in den Arbeitsmarkt gefördert und unterstützt oder wie ein bestehender Arbeitsplatz erhalten werden kann
  • Vorbereitung und Durchführung beruflicher Integrations- und Bildungsmaßnahmen
  • Erarbeitung von Alternativen, wenn eine Erwerbstätigkeit nicht oder noch nicht möglich ist
  • Durchführung präventiver und rehabilitativer Maßnahmen und Beratung (z. B. Gesundheitsförderung in Betrieben, ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes, Eingliederungsmanagement für schwerbehinderte Menschen oder betriebliches Arbeitstraining)
  • Beratung und Begleitung von Klienten und Unternehmen bei der Umsetzung der UN-BRK im Sinne der Inklusion in die Arbeitswelt
  • Unterstützung und Förderung von Menschen in Übergangsphasen z. B. Übergang Schule/Beruf oder Werkstatt für behinderte Menschen/Allgemeiner Arbeitsmarkt.

(Quelle: Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.)

Dyskalkulie

Eine Dyskalkulie tritt bei fünf bis sieben Prozent der Weltbevölkerung auf. Es handelt sich um ein kompensierbares Verständnisproblem im arithmetischen Grundlagenbereich (Mächtigkeitsverständnis, Zahlbegriff, Grundrechenarten, Dezimalsystem), wobei die Betroffenen mit ihrer subjektiven Logik in systematisierbarer Art und Weise Fehler machen, die auf begrifflichen Verinnerlichungsproblemen beruhen, das durch gezielte Therapie aufgelöst werden kann. Dabei lassen sich die Erscheinungen Nominalismus, Mechanismus und Konkretismus beobachten.

Dyskalkulie sagt nichts über die Intelligenz des Betroffenen aus. Oftmals finden sich unter ihnen besonders begabte Menschen mit überdurchschnittlichem IQ. Ebenso wenig ist bei Dyskalkulie die Fähigkeit zur Beweisführung in der höheren Mathematik zwingend beeinträchtigt. Vieles deutet in der aktuellen Forschung darauf hin, dass arithmetische und mathematische Fähigkeiten voneinander getrennt sind. So kann es sein, dass ein Dyskalkuliker Schwierigkeiten bei der Bearbeitung von arithmetischen Problemen hat, jedoch ohne Beeinträchtigung oder sogar mit einer Begabung abstrakte mathematische Probleme lösen kann.

(Quelle: Wikipedia)

Geriatrie

Der alte Mensch, der in die Ergotherapie kommt, weist häufig das komplexe Bild der Mehrfacherkrankungen -Multimorbidität- auf.
Die häufigsten Krankheitsbilder/Diagnosen die in die Behandlung führen sind:

  • neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose
  • dementielle Erkrankungen (SDAT, vaskuläre Demenz …)
  • degenerative und rheumatische Erkrankungen des Muskel und Skelettsystems
  • Zustand nach Frakturen, Amputationen und Tumorentfernung
  • Depression, Psychose und Neurose

Die akuten und chronischen Krankheitsbilder, beziehungsweise die Krankheitsfolgen bestimmen die Maßnahmen. Sie werden auch durch Veränderungen im sozialen Umfeld und der Wohnsituation beeinflusst. Altersbedingte physiologische Funktionseinschränkungen beeinflussen das gesundheitliche Gleichgewicht des alten Menschen. Jede zusätzliche Erkrankung ist somit eine erhebliche physische, psychische und soziale Belastung. Ergotherapie muss sich in der Geriatrie diesen Besonderheiten stellen.
Um dem Ziel des alten Menschen nach größtmöglicher Selbständigkeit im Alltag entgegenzukommen, ist es notwendig, verlorengegangene Funktionen wieder aufzubauen und vorhandene Fähigkeiten zu erhalten.

Die ergotherapeutische Behandlung in diesem Fachbereich beinhaltet:

  • Verbesserung und Erhalt der motorisch-funktionellen Fähigkeiten für Mobilität und Geschicklichkeit
  • Verbesserung und Erhalt von sensorischen Fähigkeiten
  • Aktivierung kognitiver und neuropsychologischer Fähigkeiten, z. B. für bessere Orientierung und Aufmerksamkeit
  • Anleitung zur Selbsthilfe beim Essen und Trinken, Körperpflege und Bekleidung, Fortbewegung sowie Kommunikation für größtmögliche Selbstständigkeit
  • Beratung – auch der Angehörigen – bei Wohnraum- und Hilfsmittelanpassung
  • Begleitung beim Umgang mit Erfahrungen von Veränderungen und Verlust zum Erhalt der psychischen Stabilität

Erfahrungen mit schwerster Pflegebedürftigkeit, mit Sterben und Tod gehören zum Berufsalltag der geriatrischen Ergotherapie und verlangen eine professionelle Reflexion von Grenzen und Möglichkeiten der Therapie.
Die Berücksichtigung der spezifischen therapeutischen Möglichkeiten und Einschätzung erreichbarer Therapieziele ist für den Erfolg der Arbeit mit dem älteren Patienten maßgeblich.

(Quelle: Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.)

Handrehabilitation

Zertifizierte Handtherapeuten AFH

Seit Anfang 2012 haben wir die Möglichkeit, Ihnen eine umfangreiche, spezialisierte, individuelle Handtherapie AFH anzubieten. Im Rahmen einer zusätzlichen Ausbildung, die ein Teil unseres Teams erfolgreich beendet hat, wurden folgend Schwerpunkte gesetzt:

  • Anatomie und Biomechanik der Hand/Handgelenk
  • Manuelle Therapie der Hand
  • Spezielle Weichteiltechniken
  • Aktive Behandlungsansätze
  • Anwendung von Tape und Orthesen
  • Computergestütztes Therapiesystem zur Bewegungsanalyse zwecks Bewegungsoptimierung (BalensoSenso-Sensor)
  • Schienenbau und Schienenberatung
  • Ergonomie und ADL im Bezug auf Handtherapie

Während der gesamten Anamnese, Befundung und Therapie ist es uns sehr wichtig, die Hand im Bezug zur gesamten oberen Extremität sowie der Wirbelsäule zu sehen.

  • Hand und Ellenbogen
  • Hand und Schulter
  • Hand und Wirbelsäule
  • Hand, Kiefergelenk, Stabilität

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Krankheitsbilder

Für welche Krankheitsbilder kommt eine Handtherapie in Frage:

  • Frakturen verschiedener Art
  • Amputationen
  • Bandinstabilitäten, Luxationen
  • Kapsuläre Instabilitäten, z. B. Ganglion
  • Sehnenrupturen
  • Tendopathien
    z. B. Epicondylitis lateralis humeri („Tennisarm“)
  • Tendovaginitis, z. B. „schnellender Finger“, „De Quervain“
  • Systemerkrankungen z. B. Morbus Dupuytren
  • Rheumatische Systemerkrankungen
  • Neurologische Erkrankungen, z. B. CRPS, Carplatunnelsyndrom, Sulcus ulnaris Syndrom

Um ein gutes Therapieergebnis zu erreichen, ist eine kompetente Narbenbehandlung für uns von Anfang an von großer Bedeutung.
Wichtig ist es, in den einzelnen Phasen des Wundheilungsprozesses den richtigen Einsatz von Cremes und speziellen Narbenmassagetechniken zu wählen.

Jeder Patient erhält von uns ein individuelles Heimprogramm und die dazugehörigen Therapiematerialien.

Ergotherapie in der Neurologie
Wer wird ergotherapeutisch behandelt?

Menschen mit

  • Erkrankungen des Zentralnervensystems, z. B. nach Schlaganfall, bei Tumoren, Multipler Sklerose, Morbus Parkinson, entzündlichen Erkrankungen des Gehirns
  • Traumen des Nervensystems, z. B. Schädelhirntraumen, Rückenmarkläsionen, periphere Lähmungen
  • degenerativen Erkrankungen des Zentralnervensystems
  • Polyneuropathien
Mögliche Therapieinhalte
  • Wiederherstellung, Erhalt und Verbesserung funktioneller Bewegungen, Bewegungsmuster und Fertigkeiten (z. B. in den Bereichen Grob- und Feinmotorik, Gleichgewichtsfunktionen, Koordination, Tonusregulation, Körperwahrnehmung)
  • Training von Alltagsfertigkeiten, z. B. im Hinblick auf die persönliche, häusliche und berufliche Selbstständigkeit
  • Ausgleich und Minderung der Folgen von neuropsychologischen Einschränkungen, beispielsweise in den Bereichen Aufmerksamkeit, Handlungsplanung, Konzentration, Merkfähigkeit oder Gedächtnis sowie Entwicklung eines Störungsbewusstseins
  • Auswahl und Training zweckmäßiger Kompensationsstrategien zur selbstständigen Alltagsbewältigung trotz vorhandener Einschränkungen
  • Beratung, individuelle Anpassung, Herstellung und Erprobung geeigneter Hilfsmittel für die Selbstversorgung und eine verbesserte gesellschaftliche Teilhabe
  • Ergonomische Wohnraum-, Arbeitsplatz- und Lebensumfeldanpassung für eine größtmögliche, ressourcenorientierte Handlungsfähigkeit
  • Schulung und Beratung von Patienten und Angehörigen bezüglich möglicher Strategien, technischer Unterstützungsmöglichkeiten und sozialer Hilfen zur Integration ins persönliche Umfeld und zur weitgehend eigenverantwortlichen Alltagsbewältigung
Behandlungsansätze und Methoden

Der ergotherapeutischen Behandlung geht eine umfassende ergotherapeutische Diagnostik voraus, die die für den Patienten bedeutungsvollen Handlungsprobleme und deren Stellenwert für die selbstständige Alltagsbewältigung und Teilhabe erhebt. Entsprechend der vielfältigen Krankheitsbilder und Symptomkomplexe kommen verschiedene spezifische Messinstrumente und Behandlungskonzepte zum Einsatz. Die gemeinsame therapeutische Arbeit setzt dann direkt an Alltagsaktivitäten an. In vielen Fällen müssen hierfür zunächst einzelne Körperfunktionen optimiert und in komplexere Aktivitäten integriert werden, in der Regel werden Alltagshandlungen jedoch selbst zum Therapiemedium.
Die CIMT-Therapie (Constraint-Induced-Movement-Therapie) und die Spiegeltherapie richten sich z. B. gezielt darauf, die Arm- und Handfunktion (z.B. nach einem Schlaganfall) zu verbessern.
Auch die Methoden nach Bobath, Perfetti oder Affolter bieten Interventionsansätze zur Behandlung von Lähmungen, Sensibilitätsstörungen und neuropsychologischen Beeinträchtigungen. Der konsequente Bezug zur individuell bedeutsamen Handlung unter den individuellen Umständen der Klienten charakterisiert dabei die ergotherapeutische Behandlung.

(Quelle: Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.)

Orthopadie, Traumatologie, Rheumatologie

Die Ergotherapie behandelt in diesem Fachgebiet Patienten aller Altersstufen mit Erkrankungen aus den Bereichen der Orthopädie, Traumatologie und Rheumatologie.
Dies sind z. B. Verletzungen der Knochen, Muskeln und Sehnen und der Nerven vor allem der Arme und des Rumpfes; Tumoren der Knochen, Muskeln oder Nerven; entzündliche und degenerative Gelenkerkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis; Verbrennungen; angeborene oder erworbene Fehlbildungen des Rumpfes, der Arme und Hände, Abnutzungserscheinungen und Erkrankungen der Wirbelsäule und anderer Gelenke.

Die Beweglichkeit soll wieder hergestellt, die Muskulatur gekräftigt und die Geschicklichkeit und Koordination beider Hände und der einzelnen Finger normalisiert werden. In der Ergotherapie soll der Patient lernen, seine Kräfte zu nutzen und durch veränderte Verhaltensweisen und Arbeitsabläufe eine bleibende Behinderung zu kompensieren. Dieses kann auch durch Training mit speziellen Hilfsmitteln, von Ergotherapeuten angefertigten Handschienen oder Prothesen erfolgen.

Eine ergotherapeutische Behandlung in diesem Fachbereich beinhaltet z. B.:

  • Übungen zur Beweglichkeit, Muskelkraft, Ausdauer, Belastbarkeit und Sensibilität
  • Training von Alltagsaktivitäten im Hinblick auf die persönliche, häusliche und berufliche Selbständigkeit
  • Beratung und Training zum Gelenkschutz
  • Abhärtung von Amputationsstümpfen und Training mit der Prothese
  • Herstellung von speziellen Hand- und Armschienen
  • Beratung bzgl. geeigneter Hilfsmittel und Änderungen im häuslichen und beruflichen Umfeld, ggf. Herstellung und Anpassung von Hilfsmitteln
  • Kompensationstraining
  • Psychosoziale Therapie bei chronischen Erkrankungen

Körperliche Folgen der Grundkrankheit werden durch ergotherapeutische Maßnahmen gemildert, vorhandene Fähigkeiten gestärkt. Das Ziel ist es, ein Maximum an Lebensqualität zu sichern und eine größtmögliche Selbständigkeit in allen Bereichen der persönlichen, häuslichen und beruflichen Lebensführung zu erreichen.

(Quelle: Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.)

Pädiatrie (Kinder und Jugendliche)

Ergotherapie kommt bei Kindern und Jugendlichen angefangen vom Säuglingsalter zum Einsatz, wenn sie in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind und damit eine Beeinträchtigung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben des Kindes und seiner Familie droht oder bereits besteht.

Dies ist u. a. der Fall bei:

  • Störungen des Bewegungsablaufs infolge von Hirnschädigungen
  • Störungen des Bewegungsablaufs im Zusammenhang mit Wahrnehmungsdefiziten (Sensorische Integrationsstörung, Dyspraxie, Koordinationsstörung)
  • Sinnesbehinderung z. B. Taubheit, Blindheit
  • Beeinträchtigungen der kognitiven Entwicklung im Zusammenhang mit Wahrnehmungsstörungen (visuelle und auditive, Teilleistungsstörungen, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen)
  • Störungen in der Sozialentwicklung und Kommunikationsfähigkeit
  • psychische Erkrankungen z. B. Verhaltensstörungen, frühkindlicher Autismus, Essstörungen
  • Lern- und geistige Behinderungen
  • Syndrome
Therapieziele und Aufgaben
  • Identifizierung der Probleme des Kindes bei der Betätigung in Alltag, Kindergarten/Schule und Freizeit
  • Festlegung konkreter Behandlungsziele (je nach Alter) gemeinsam mit dem Kind und seiner Familie und anderen Bezugspersonen
  • Genaue Beobachtung und Förderung körperlicher und kognitiver (geistiger) Fähigkeiten des Kindes
  • Genaue Beobachtung der auf das Kind einwirkenden Umwelteinflüsse (Umweltfaktoren), einschließlich der Interaktionen zwischen Kind und Eltern
  • Unterstützung von Handlungen und Handlungsmöglichkeiten des Kindes (besonders unter Berücksichtigung von alterstypischen und individuellen Entwicklungsfortschritten)
  • Förderung von psychischer Stabilität und Selbstvertrauen (z. B. bei Essstörungen)
  • Förderung sozialer Kompetenzen (z. B. bei Autismus)
  • Unterstützung kognitiver Funktionen (z. B. Konzentration und Merkfähigkeit, Orientierung zu Person, Zeit und Raum, Wahrnehmungsselektion und -verarbeitung)
  • Unterstützung körperlicher Funktionen (Beweglichkeit und Geschicklichkeit)
Behandlungsansätze und Methoden

Neuere Behandlungsformen (u. a. auf Basis der Neurowissenschaften) wie das Neuromotor-Task-Training (NTT) oder die Cognitive Orientation to daily Occupational Performance (CO-OP) ergänzen zunehmend langjährig erfolgreiche Behandlungskonzepte wie die Sensorische Integrationstherapie (SI) oder Therapien nach Bobath oder Frostig.
Die Beratung und Begleitung der Eltern erfolgt in Form von Gesprächen oder der Anleitung gemeinsamer Aktivitäten. Es werden Informationen bereitgestellt und Problemlösungen erarbeitet, in Kooperation mit den jeweiligen betreuenden Stellen.

Tätigkeitsfelder
  • Fach- und Rehabilitationskliniken und andere Einrichtungen der Rehabilitation im Bereich Pädiatrie
  • Tageskliniken (speziell für Neuropadiatrie, Orthopädie, Unfallheilkunde, Neonatologie)
  • Ergotherapeutische Ambulanzen (z. B. an Kliniken, in ambulanten Rehabilitationszentren und Praxen für Ergotherapie)
  • Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie
  • Einrichtungen der Frühförderung und sozialpädiatrische Zentren
  • Sozial-psychiatrische Dienste (auch allgemeine Krisendienste zur Unterstützung der Eltern)
  • Schulen und Kindertagesstätten/-gärten

(Quelle: Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.)

Psychiatrie

Ergotherapie in der Psychiatrie behandelt Patienten aller Altersstufen mit psychotischen, neurotischen und psychosomatischen Störungen sowie mit Suchterkrankungen. Dies sind z. B. psychische Störungen im Kinder- und Jugendalter, neurotische Störungen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen, Depressionen, Schizophrenien, schizotype und wahnhafte Störungen, Essstörungen, affektive Störungen, dementielle Syndrome, hirnorganisches Psychosyndrom, Störungen bei Alkohol-, Drogen-, Medikamenten- und Spielsucht.

Die grundsätzlichen Ziele der Ergotherapie in der Psychiatrie sind die Entwicklung, Verbesserung und der Erhalt von:

  • Psychischen Grundleistungsfunktionen wie Antrieb, Motivation, Belastbarkeit, Ausdauer, Flexibilität und Selbstständigkeit in der Tagesstrukturierung
  • Körperwahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung
  • Realitätsbezogenheit von Selbst- und Fremdwahrnehmung
  • Situationsgerechtem Verhalten, sozio-emotionalen Kompetenzen und Interaktionsfähigkeit
  • Kognitive Funktionen
  • Psychischer Stabilität und von Selbstvertrauen
  • Eigenständiger Lebensführung und Grundarbeitsfähigkeit

Im Wesentlichen sind dabei drei Behandlungsansätze von Bedeutung:
Die kompetenzzentrierte Methode umfasst einen ergebnisorientierten Ansatz mit prozessorientierten Anteilen, bei dem der Patient ausgewählte Techniken und Tätigkeiten ausführt, um verlorengegangene oder nicht vorhandene Fähigkeiten zu erlernen oder zu üben.
Bei der interaktionellen Methode handelt es sich um ein überwiegend prozessorientiertes Gruppenangebot, das auch ergebnisorientierte Anteile haben kann. Dabei steht die Auseinandersetzung der Gruppenmitglieder miteinander im Vordergrund.
Die ausdruckszentrierte Methode beinhaltet einen prozessorientierten Ansatz, bei dem der Patient über kreativ zu gestaltende Angebote, zur Auseinandersetzung mit seinen Gefühlen, Wünschen und Strebungen angeregt wird.

Eine Behandlung bei psychischen Störungen ist auch angezeigt, um bei der Verarbeitung eines schwerwiegenden Krankheitsverlaufes zu helfen oder den praktischen Umgang mit einer bleibenden schweren Schädigung zu verbessern.

(Quelle: Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.)